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Südindien - Verloren im Labyrinth der Götter

indien_tGanz schwummrig kann einem werden in diesem Meer aus Farben, Düften, Klängen und Göttern. Aber keine Bange: Wenn man die Orientierung verliert, ist der nächste hilfsbereite Inder nicht weit.

Im düsteren Halbdunkel sitzen Hunderte von Menschen – gelassen und friedlich, in ihrer Menge aber dennoch beängstigend. Es riecht nach Räucherstäbchen, Tropenfeuchte, Blumen, Schweiß. „Psst“, kommt es aus einer Ecke, knapp bevor mich die Klaustrophobie übermannt ,„psst“ und eine Hand streckt sich mir mit winkenden Fingern entgegen. Meine Neugier besiegt das unangenehme Gefühl, auf was ich mich da schon wieder einlasse. Ein spindeldürrer Inder, nur mit einem weißen Tuch um die Hüften bekleidet, lotst mich durch ein Labyrinth aus Gängen und schubst mich über einen Seiteneingang in das Allerheiligste. Die Priester sind mit den letzten Vorbereitungen zum Gebet beschäftigt. Mein Begleiter deutet mir, Platz zu nehmen, und schon öffnen sich die Tore mit dem Läuten der Tempelglocke. Die Menge beginnt hereinzudrängen. Bevor es richtig ungemütlich eng wird, stemmen die Tempeldiener mit ihrem ganzen Gewicht die Türen wieder zu. Die Nächsten müssen warten. Männer wie Frauen wiegen sich im Gebet, begleitet vom Sing-Sang der Priester. Heilige Asche wird verteilt. Die Stimmung heizt sich auf. Mit dem Gefühl fürs richtige Timing holt mich mein Begleiter über einen Ausgang wieder nach draußen, nur mehr vorbei an übergroßen Götterstatuen mit starrem Blick, und ich stehe im Freien.

Der Tempel von Kanyakumari ist der Göttin Devi geweiht. Pilger aus dem ganzen Subkontinent besuchen ihn auf ihrer Wallfahrt durch den südindischen Bundesstaat Tamil Nadu, wo sich der Hinduismus mangels muslimischen Einflusses besonders rein erhalten hat. Wer hier nur die bedeutendsten Tempel besuchen möchte, wäre gut ein Jahr damit beschäftigt. Der Kumari Amman Tempel von Kanyakumari ist der südlichste von allen. Er liegt an der Südspitze Indiens. Souvenirstände verbinden ihn mit dem Gandhi-Memorial. Blinkende Götterstatuen, Muschelvorhänge, Glasperlenketten. Dann endlich der unverstellte Blick aufs Meer: Die Arabische See und die Bucht von Bengalen fließen hier in den Indischen Ozean. Der zumeist farbenprächtige Sonnenuntergang am Treffpunkt dreier Meere lockt jeden Abend die Besucher in Scharen an. Aber so ist das in Indien: Wer Menschenansammlungen scheut, sollte sich ein anderes Reiseziel suchen.

indien_1Ländliche Idylle?
Hineingesunken in die weichen Sitze eines Ambassadors verlasse ich anderntags Cape Comorin in Richtung Nordosten. Fahrer Selva Kumar hat das weiße Auto mit dem nostalgischen Look, von denen man so viele auf Indiens Straßen sieht, auf Hochglanz gebracht und sich selbst in strahlend weiße Schale geworfen. Die Sitze sind zwecks Schonung mit hell-beigen Frotteetüchern ausgeschlagen.

Im Rückspiegel verschwindet das Meer, eine sattgrüne Landschaft aus Reisfeldern und Palmenhainen tut sich auf. In der Ferne sind linker Hand die Berge zu sehen, auf der anderen Seite liegt Kerala. Windräder in allen Richtungen stehen als futuristische Pfeiler auf diesem zeitverlorenen Boden. Ein Krokodil sonnt sich auf einer Sandbank in einem Fluss. Ochsen pflügen die Felder, Männer und Frauen setzten und ernten den Reis mit der Hand. Es ist eine trügerische Idylle: „Wer am Feld arbeitet, besitzt selbst nichts“, erklärt Selva Kumar dazu. Im nächsten Dorf machen wir kurz Halt bei einer Familie. Sie lebt vom Töpfern, ihr wertvollster Besitz sind die beiden Töpferscheiben, die die Jüngsten von Hand drehen, während Vater und Großvater Tonbrocken zu Pötten formen. Fahrer-Guide Kumar: „Die haben nur das und können sonst nichts“. Beschämt über meinen eigenen Reichtum hinterlasse ich ein paar Rupien. Genug um drei Generationen, die gemeinsam in einer windschiefen Lehmhütte wohnen, für die nächste Woche zu versorgen.   

Eine Kuh trottet ungerührt durch die Straßen. Guaven und Mangos stapeln sich auf Tüchern am Boden. Die Frauen prüfen das Angebot mit Kennerblick, die Sonne spielt mit den Farben ihrer Saris. Am Teestand drängen sich die Männer. Schnurrbart und kariertes Wickeltuch als Uniform. Ein drahtiger Junge schleppt ein Bündel gut drei Meter hoher Zuckerrohrstangen über den Hauptplatz. Gehsteig, Straße, Abfallhaufen ist alles eines. Dieses alltägliche Chaos in den Kleinstädten, die wir alle Nase lang passieren, wiederholt sich in den großen Citys wie Madurai, Trichy oder Thanjavur mit noch intensiveren Farben, noch mehr Menschen, noch lauteren Schreien und Hupkonzerten. Barfuß steuern Pilger und Einheimische den nächsten Tempel an. „Madam, a photo, please“, kaum, dass ich mich unter die Menge mische. Das Bild mit der blauäugigen Fremden wird einen Ehrenplatz bekommen. Als anspruchsvolle Reisende wünsche ich mir ja im Allgemeinen möglichst mitten drin zu sein im Reiseland. In Indien wird mir dieser Wunsch jederzeit erfüllt, so hautnah, dass es mir mitunter gar zu viel wird.

indien_3Im göttlichen Zwiegespräch
Dem Straßenchaos Madurais in die heilige Ruhe des Tempels entfliehen? Mitnichten. Kunsthistorische Betrachtungen sind dem Inder fremd. Die tägliche Zwiesprache mit den Göttern ist sein Anliegen. Bei der Menge an Menschen – in Tamil Nadu rund 64 Millionen – ist es also wenig verwunderlich, dass es in den heilige Hallen, respektlos gesagt, zugeht wie in einem Ameisenhaufen.

Nach eingehender Bewunderung des knallbunten, lückenlos mit Götterfiguren besetzten, 50 Meter hohen Gopurams, wie die geschmückten Zugangstore hier heißen, betrete ich den gewaltigen Sri Meenakshi Tempel und stehe zunächst einmal in einer Art Bazar: In der weiten Halle bieten zahlreiche Läden Opfergaben, Devotionalien und Souvenirs an. Dahinter führen lange, granitschwarze Gänge ins Innerste. Im Wasserbecken eines offenen Innenhofes spiegeln sich zwei weitere der insgesamt zwölf Gopurams. Ein Feuer brennt unter einer durchgehend bemalten Holzdecke. Säulen sind zu Götterfiguren ausgearbeitet. Schlauchartige Gänge führen auf verschlungenen Wegen zum Hauptschrein. Nebengötter werden in kleineren Nischen angebetet.

Ein Feuer brennt … hier war ich doch schon mal? Eine Pilgergruppe bemerkt meine verlorenen Blicke und nimmt mich mit, diesmal wirklich bis zum Hauptschrein. Betreten für Nicht-Hindus leider verboten. Dafür geben sie mir noch einen Tipp auf den Weg: „Kommen Sie am Abend nochmals. So gegen neun gibt’s eine schöne Zeremonie“. Sie haben nicht zu viel versprochen. Der Tempel ist romantisch beleuchtet, in den dunklen Gängen flackert das Feuer. Unter Trommelwirbel und Flötenklängen tragen die Priester einen steinernen Shiva zu seiner Gefährtin Meenakshi, auf dass er die Nacht mit ihr verbringe.

Besser Reisen-Infoindien_2

Einreise

Sie benötigen ein Visum, das Sie bei BLS International visa services bekommen
(Hegelg. 17, Top 19, 1010 Wien, T 01/943 72 72, www.blsindiavisa-austria.com).
Das dauert ein paar Tage und kostet Eur 60,50.

Beste Reisezeit

Trocken und vergleichsweise kühl von Jänner bis April, trocken und heiß bis inklusive September.
Meiden Sie die Monsunzeit von Oktober bis Dezember.

Impfungen

Basisschutzprogramm für alle Reisenden (Diphterie, Tetanus, Polio, Hepatitis A und B, Typhus). Weiters sind Impfungen gegen Cholera und Japan-C-Enzephalitis empfohlen sowie Malariaprophylaxe.

Währung

1 Euro = 65 Indische Rupien (INR)

Zeit

MEZ + 4,5 Std., MESZ + 3,5 Std.

Strom

220 Volt mit starken Spannungsschwankungen. Adapter mitnehmen.

 

Sprache

Tamil. Englisch als Verkehrssprache.

Info

Incredible India, India Tourism Frankfurt, Baseler Str. 48, D-60329 Frankfurt, T +49/69/24 29 49-0, www.india-tourism.com

Persönlicher Tipp: Geo Reisen

Geo Reisen
Alpenstraße 48, 5020 Salzburg,
kostenlose Hotline: 0800/24 24 25,
www.geo-reisen.at
können Sie bereits ab zwei Personen unter dem Titel „Südindien“ eine 12-tägige Reise mit Privatchauffeur ab 1.190 Euro pro Person exklusive Flüge buchen.
Diese Tour führt Sie zu den  Highlights von Tamil Nadu und wird in Kerala mit einer Hausbootfahrt abgeschlossen.

Angebote:

DERTOUR
„Höhepunkte Nordindiens“
7-tägige Busrundreise ab/bis Delhi, 6 Nächte im DZ/ÜF, Verpflegung u. Verlauf lt. Programm,
Anreise z. B. 11./17. u. 23.01.12, Preis pro Person inkl. Flug
ab/bis Wien 1.309,- Euro.
www.dertour.at

 
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