Willkommen Melancholie!
Lissabon, die Welthauptstadt der gepflegten Traurigkeit, präsentiert sich als spannender Mix aus alt und neu.
Es war wahrscheinlich ein Großereignis im Jahr 1755, das im wortwörtlichen Sinn die Welt erschütterte. Am frühen Morgen des 1. November 1755 ließ ein Erdstoß die Stadt erzittern, so stark, dass die Kompassnadeln auf der halben Welt verrückt spielten. Das Erdbeben machte allein in Lissabon 18.000 Gebäude dem Erdboden gleich. An diese grässliche Katastrophe, die die völlige Neuerrichtung des Stadtviertels „Baixa“ nach sich zog, wird man heute noch auf Schritt und Tritt erinnert: Ein Großsteil der Gassen und Straßen der Altstadt sind mit den weißen Marmortrümmern der dem Beben zum Opfer gefallenen Kirchen und Prunkbauten gepflastert. Man geht also auf einer Stadt der eingestürzten Häuser und Stiegen. So etwas vermag zu prägen. Und dennoch verströmt die Stadt eine typisch südländische Lebensfreude – es fällt nicht schwer, sich ihrem Charme hinzugeben.
Alt und neu ergänzt sich gut Lissabons Geschichte wird in den zahlreichen Traditions-Cafes lebendig – etwa im wunderschönen „A Brasileira“. In der „Antiga Confeitaria de Belém“ unweit des weltberühmten Hieronymos-Klosters ist das köstliche Vanilleküchlein „Pasteis de Belém“ ein Muss. Im Cafe Nicola wiederum kann man der Populärgeschichte der Frauenbewegung Lissabons nachgehen: Es geschah im 19. Jahrhundert, als hier erstmals eine Frau verbotenerweise ein öffentliches Kaffeehaus betrat. Die Beste war allerdings als Mann verkleidet und sorgte für einen handfesten Skandal.
Dann wird es aber Zeit für ein Kontrastprogramm und vom historischen Lissabon zu den neuesten Highlights der Tejo-Metropole zu wechseln. In der Fußgängerzone der Baixa eröffnete im vergangenen Winter das „MUDE - Museu do Design e da Moda“ seine Pforten. Die Atmosphäre hier ist speziell: Die gewaltige Innenhalle einer ehemaligen Bankzentrale sieht bewusst wie ein unvollendeter Neubau aus. „Aha, ist noch nicht fertig“, denkt sich der Besucher beim Betreten. Doch schreiten Sie mutig voran: Roher Beton und unverkleidete Eisenstreben sind der gewollte Rahmen für rund 2.500 hochkarätige Ausstellungsstücke aus der Welt des guten Geschmacks (www.mude.pt). Ein weiteres brandneues Kulturhighlight ist die Berardo Sammlung für moderne und zeitgenössische Kunst im Stadtteil Belém (www.museuberardo.com).
Tejo aufwärts, rund um den Parque das Nações, ist in den letzten Jahren ein ganzes Stadtviertel mit hypermodernem Antlitz entstanden und mauserte sich zum Markenzeichen des gegenwärtigen Lissabons. Hier fand die Weltausstellung 1998 statt, die Planung zielte ganz auf die Bedürfnisse einer idealen, modernen Stadt ab. Der Kai ist bei Flaneuren höchst angesagt.
Übrigens wurde Lissabon von der Europäischen Verbraucherassoziation (einer unabhängigen Institution mit Sitz in Brüssel) nun zum zweiten Mal in Folge zum „Besten Reiseziel Europas“ auserkoren. Einen spannenderen Mix aus Patina und Lifestyle findet man nirgendwo sonst!
Besser Reisen Tipps:
Hoteltipps:Hotel Tivoli Lisboa 5* und Hotel Tivoli Jardim 4*
Tel. +351/213/198 900, www.tivolihotels.com
Zwei benachbarte Traditionshotels (neu umgebaut!) in idealer Lage. Auch Nicht-Hotelgäste können die herrliche Bar auf der Dachterrasse des Tivoli Lisboa genießen. Ein Muss!
Gats Hotel Rossio 3*
Tel. +351/213/478 300, www.gatrooms.com
Brandneues, cooles Designerhotel in der Fußgängerzone; tolles Preis-Leistungsverhältnis.
Anreise:
Mit Lufthansa über München oder Frankfurt; mit Air Berlin bzw. NIKI über Palma di Mallorca (www.lufthansa.com, www.airberlin.com, www.flyniki.com).
Allgemeine Infos:
Portugiesisches Touristikzentrum Wien, Tel. 0810 900 650, www.visitportugal.com. www.visitlisboa.com




