Besuch beim Nachbarn
Der Kaffee, der in der “Dobra Trafika” (Korunni 47), einer gelungenen Mischung aus Café und Handwerksladen, serviert wird, duftet köstlich nach Zimt. In der sympathischen „Kavarna“ im eleganten Stadtteil Vinohrady, den königlichen Weinbergen, treffe ich die Wahl-Pragerin Martina Bodemann zum Frühstück.
„Selbst nach all den Jahren entdecke ich immer wieder neue wunderschöne Details an den Prachtfassaden“, staunt die Prag-Kennerin beim Bummel über die Korunni Straße zum Nám?stí Míru Platz mit seinen Jugendstil-Prachtbauten und seinem Theater. Beim Pavlov Platz (I.P.Pavlova) kommen wir an der Villa Amerika (Ke Karlovou 20) vorbei. In dem barocken Sommerpalast ist eine Dauer-Ausstellung über Antonin Dvorak und andere tschechische Komponisten zu sehen.
Kein Weg führt an Prags Aushängeschild, dem berühmten Wenzelsplatz (Václavské nám?stí), vorbei. Ein Abstecher lohnt in die Lucerna-Passage mit ihren Geschäften, Cafés und einem wackeligen Paternoster. Im Kellerpub Trilobit, Palackého 15, kehren wir auf ein Gulasch, Beefsteak Tartar und tschechisches Bier ein. Nach dem deftigen Essen legen wir eine Verschnaufpause im lauschigen Franziskaner Garten ein. Martina Bodemann packt ihr schwarzes Prag-Reisemoleskin aus und macht sich ein paar Notizen: „Das Büchlein ist nicht nur für Besucher, sondern auch für Einheimische ideal, da es neben Stadt- und Metroplan, nützliche Infos und Adressen enthält und Platz für Erinnerungen bietet.“
Prags herausgeputzte Altstadt wird – wie andere Metropolen auch – längst von großen internationalen Ketten dominiert. Wer das Besondere schätzt, muss schon sehr genau suchen. Martina Bodemann führt mich hinter die Tynkirche - in der Tynska Straße laden zwei kleine Kunstläden zum Stöbern ein. „Oft zieht es mich auch in das Antiquitätengeschäft Alma in der Valentinska. Im Erdgeschoss sind die wertvollen Stücke ausgestellt, aber im Keller werde ich zwischen alten Schätzen wie Lampen, Christbaumschmuck, Gläsern und Schmuck immer fündig.“ Ihr absoluter Lieblingsladen, gesteht die Wahl-Pragerin, ist das Auktionshaus Dorotheum (Havliska): „Wenn auch nur, um mir die Nase an den Schaukästen plattzudrücken.“Zum Shoppen führt mich Martina Bodemann auf einen Abstecher in die neueste Mall mitten in der Stadt, in das Palladium. Von Mode über Sportbekleidung bis Elektroartikel findet man hier in den Geschäften internationaler Marken alles, was das Herz begehrt. Wer Lust auf eine Fahrt außerhalb Prags hat, fährt am besten ins große Outletcenter „Fashion Arena“ nach Sterboholy. Von der Endstation der Metrolinie A, Depo Hostivar, fährt jede halbe Stunde ein gratis Shuttle Bus ins Outlet mit über 60 Modeshops.
Wir geben der Lust auf Kaffee und Kuchen nach und kehren im legendären Café Slavia ein. In dem Jugendstil-Kaffeehaus mit seiner klassizistischen Stuckdecke tranken bereits Franz Kafka und „der rasende Reporter“ Egon Erwin Kisch ihren Kaffee. Wir überqueren die Moldau und spazieren ins reizvolle Stadtviertel Kampa. Dort am Ufer der Moldau wurde 2003 das zeitgenössische Kunstmuseum, das bei dem schweren Hochwasser im Jahr davor zerstört wurde, neu eröffnet.
In Mala Strana (Kleinseite) versteckt sich auch einer der schönsten, barocken Terrassen-Gärten: der Vrtbovská Garten. In diese ruhige Oase gelangt man durch einen unscheinbaren Eingang in der Karmelitská Straße, unweit des St. Nikolaus-Doms, der für seine Kind-Jesu-Statue bekannt ist. Von der Dachterrasse des nahen Hotel Aria (Trziste 9) genießen wir einen Traumblick auf die goldene Stadt. Nicht zu übersehen sind die ungewöhnlichen Bilder an den Mauern des Hotel-Innenhofs, die von Prags berühmtestem und unkonventionellstem Karikaturisten Josef Blecha stammen.
„Du musst unbedingt das Buch „For the love of Prague“ lesen“, empfiehlt Martina Bodemann. Es handelt von der rührenden Geschichte eines amerikanischen Illustrators, der 1959 im kommunistischen Prag seine große Liebe findet und für immer bleibt. Gene und Zdenka Deitch wohnen heute noch immer auf der Kleinseite. „Am Foto des Buchtitels kann man das Paar gut erkennen und sie lassen sich auch gern ansprechen“, erzählt Martina, die die beiden Künstler kennt.
Besser Reisen Info:
Einreise
Der Reisepass darf bis zu fünf Jahre abgelaufen sein.Beste Reisezeit
Frühjahr und Herbst.
Strom
Wie bei uns
Sprache
Spanisch. In der Altstadt und an den Sehenswürdigkeiten kommen Sie mit etwas Mühe auch mit Englisch, Deutsch oder Französisch weiter. Info
Spanisches Fremdenverkehrsamt, Walfischg. 8, 1010 Wien, T 01/512 95 80, www.tourspain.esPersönlicher Tipp: Nightlife
Egal, wohin es einen auch immer treibt, an Bars mangelt es nicht. Allerdings sollte man nicht zu früh starten: Die Nacht beginnt um zehn Uhr abends langsam anzulaufen. Viele der Bars sind jedoch bereits am Nachmittag einen ersten Besuch wert – des schönen Interieurs wegen, das man abends ohnehin nicht zu Gesicht bekommt. Unser Tipp: Los Gabrieles, Echegaray 17: Die kunstvollsten Kacheln der City. Jeden Abend süffeln sich hier die Weintrinker zu Tode – zumindest auf den Fliesenbildern. Also: Nachmittags hingehen und Fliesen schauen und abends dann sowieso.





